Archiv für 3. Januar 2007

Man bekommt keine Superkräfte von Stromschlägen

Ich weiß, die Überschrift schockt, aber das ist Fakt! Ich habs ausprobiert und enttäuscht festgestellt, dass man weder Superkräfte bekommt, noch die Lebensqualität steigert. Was ist passiert?

Es war ein sonniger Sommertag auf der Arbeit. Bei uns heißt das, dass viele Leute in Urlaub sind und wenig für uns zu tun ist. Warum? Wenn Niemand da ist, macht auch Niemand was kaputt, ergo haben wir im IT-Serice nix zu tun. Einer unserer neuen Azubis hat eine so genannte Met@Box 50 mitgebracht, ein altes Teil, das damals als revolutionär verkaut, aber so beschissen vermarktet wurde, dass die Firma schnell pleite ging. Eine Met@box war ein leidlich schneller Rechner mit Modem und Scart Anschluss. Damit sollte man über den Fernseher surfen können. Welch’ Innovation!

Ich hab das Teil also angeschlossen und damit rumgewerkelt, weil ich es erstmal von CD booten wollte. Naja, long story short, das CD-Rom Laufwerk berührte ein “Schutzblech” um das offene Netzteil herum, ich packte mit beiden Händen das Laufwerk an und sofort verkrampften meine Arme. Dieses Schutzblech stand nämlich bei Betrieb unter Vollspannung. Es war zwar isoliert, aber durch die Isolation waren 2 Schrauben gebohrt. Und das Teil kam vom Werk so! TÜV lässt grüßen.

Naja, auf einmal hörte die Verkrampfung auf und ich ließ mich erstmal in den Stuhl meines Kollegen fallen. Erst da fiel mir auf, dass seine Monitore aus waren. Im ganzen Büro waren alle Rechner aus. Nur das Licht brannte noch. Naja, die Sache war klar: Ich hatte mit der Aktion den Fi-Schutzschalter ausgelöst und dem gesamten Flur den Strom geklaut. Auch der Rechner meines Ausbilders, mit der Rekordlaufzweit von 3xx Tagen, musste sich ohne Strom in einen kurzen, verdienten Schlaf begeben. Zum Glück hatte Niemand was wichtiges laufen, Keiner war böse.

Mir wars dann allerdings erstmal nich so gut. Es ging mir ganz gut, aber ich bekam tolle Schauergeschichten von Spätfolgen innerhalb der nächsten 3 Tage zu hören und recherchierte dann mal eigenständig im Netz. Schlechte Idee. Ich fand die schlimmsten Sachen und etwas schwindelig war mir auch. Die darauf folgende Nacht konnte ich nicht schlafen, ich fühlte meinen Herzschlag und hatte Angst, dass jeden Moment etwas passiert. Am nächsten Morgen ging ich zu meinem Hausarzt, der mich mit einem EKG untersuchte und für gesund befand. Puha.

Dennoch plagten mich in er Folgezeit Schwindel, Übelkeit und Schwäche. Ich war mehrmals beim Arzt und sogar im Krankenhaus. Ich wurde am Herzen per EKG, Belastungs-EKG und Ultraschall untersucht. Zusätzlich die Lunge (Röntgen und Funktionstest) und Blutuntersuchung. Alles in Ordnung, allerdings gings mir völlig mies. Ich konnte weder Sport machen, noch von einem Stuhl aufstehen, ohne dass mir schwindelig wurde. Erst nach Wochen bekam ich eine Überweisung zu einem Neurologen geschickt, wo ich mehrere Stunden warten musste,und dann in die Röhre kam, an den Augen getestet wurde und meine Gehirnströme gemesse wurden. Diagnose: Störung des vegetativen Nervensystems. Behandlung: Das geht von alleine weg. Dauer: Beim Einen schneller, beim Anderen langsamer. Bäm! Was? Bin ich jetzt der Eine oder der Andere?

Als er mir dann erzählte, dass das vegetative Nervensystem unter anderem dafür zuständig ist, dass man im Schlaf atmet und sowas, war ich auch nich begeistert. Denn ich atme schon ganz gerne im Schlaf. Außerdem hatte ich weiterhin Schmerzen in der Brust. Und ich hatte bei meiner Herzschlagfühlerei so ein seltsames Geknubbel in der linken brust gespürt, das rechts nichts so ausgeprägt war. Ich hab auch weiter recherchiert und kam zu folgenden Diagnosen:

  • Brustkrebs (15%ige Behandlungsunfähigkeit)
  • Rippenfellkrebs (10-18 MonateÜberlebenszeit nach Ausbruch)
  • Lungenkrebs (Unter 10%ige Überlebenschance von 5 Jahren nach Ausbruch)
  • Herzinfarkt (7,3%ige Sterberate)
  • Angina Pektoris (Bei instabiler Angina stark erhöhtes Herzinfarktrisiko

Starker Tobak, ich hab mir noch andere Krankheiten angedichtet und ziemlich Muffensausen gehabt. Bin oft zum Arzt und wurde sogar im Krankenhaus nach Angina Pektoris unteruscht. Nachdem nix gefunden wurde, war ich für 1-2 Tage beruhigt. Weil die Sympthome aber nicht verschwanden, habe ich den Untersuchungsergebnissen nie so getraut. Ein Arzt fühlte auch meine Brust ab.

Irgendwann wurde es zum Glück besser. Mir wurde immer seltener Schwindelig und die Brustschmerzen ließen mich immer öfter kalt, schließlich kamen diese sehr oft. Dennoch ging ich nochmal zum Hausarzt, der mich an einen Rückenspezialisten überwies. Dieser stellte einen verschobenen Wirbelhals fest, der für die Schmerzen verantwortlich sein könnte. Er bot mir an, mich an Krankengymnastik zu überweisen oder in einem Fitnesstudio meine Rücken- und Bauchmuskulatur zu trainieren. Astrein, darauf hab ich gewartet! Mir ging es zu dem Zeitpunkt ganz gut und ich brauchte nur noch einen Anstoß, um wieder Trainieren zu gehen. Da war er, eine ärztliche Anweisung.

Ich hab also langsam wieder angefangen, beim ersten Mal schaffte ich mit kurz Laufen zum Aufwärmen und fast allen Geräten schon mehr als bisher zuvor. (Zwischenzeitlich bin ich beim Duschen fast umgekippt, obwohl ich nichtmal das halbe Programm durch hatte.) Beim zweiten Mal hab ich bis auf ein Gerät und länger Laufen vorher und Nachher alles geschafft und das auf einem ganz guten Niveau. Beim dritten Mal hab ich alle Geräte gemacht und bin normal gelaufen, das Niveau war schon fast wieder das alte.

Gott war ich froh, einfach nur gesund zu sein. Ich hab in dieser Zeit echt gemerkt, wie wichtig es ist, einfach nur gesund zu sein. Ich habe jetzt auch noch zeitweise Schmerzen in der Brust und unregelmäßig ganz kurz Kurzatmigkeit, abermir ist so gut wie nie schwindelig. (Hooray!) Am Neujahrstag bin ich auch noch eine Runde Joggen gegangen. Mir tat dabei allerdings die Brust leicht weh, auf den letzten Metern, ich bin aber gewillt, dass auf meine Übermüdung zu schieben.

Jetzt gehts wohl aufwärts. Das einzige was noch stört sind Gelenkknacken, vereinzelte Brustschmerzen, seltener Schwindel und seltene Kurzatmigkeit. Ich ignorier das so gut es geht und kann mittlerweile wieder normal körperlich leben. Mit dem Rad zur Arbeit (nicht im Schneckentempo), Trainieren (aber schön piano, ne) und vom Bett aufstehen.

Aber auch jetzt stellen sich keine Superkräfte ein. Der nächste Unfall müsste eventuell mit Radioaktivität behaftet sein, dann passiert vielleicht sowas in der Art. Ich komm aber auch so ganz gut klar, deshalb hab ich keinen Bedarf. Ich mach jetzt erstmal den Führerschein fertig und werd dann versuchen wie voll ins Training einzusteigen.

3. Januar 2007 at 8:33 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar


 

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